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Geschichte und mehr  – Berlinfahrt des Jahrgangs 9

Der Jahrgang 9 kehrt mit vielen Erinnerungen von seiner dreitägigen Fahrt nach Berlin zurück: Der Blick auf das abendliche Berlin von der Dachterrasse eines Hotels am Alexanderplatz bildete den stimmungsvollen Auftakt. Stadterkundungen per Rad, Schiff oder zu Fuß folgten an den nächsten Tagen ebenso wie Besuche im Spionagemuseum oder bei Madame Tussauds. Neben gemeinsamen Aktivitäten hatte jede Klasse ihr individuelles Programm.
Ein besonderer Schwerpunkt lag in diesem Jahr für alle auf historisch-politischer Bildung sowie Erinnerungs- und Gedenkkultur: So besuchten die Klassen das Denkmal für die ermordeten Jüdinnen und Juden Europas; außerdem informierten sie sich über Architektur und Wirkung des Ortes nicht nur durch Führungen, sondern näherten sich den besonderen Charakteristika des Stelenfeldes auch künstlerisch durch urban sketching an. Beim Besuch der Denkmäler für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma sowie für die im NS verfolgten Homosexuellen wurden sich die Schüler:innen der unterschiedlichen Opfergruppen sowie einiger Biographien bewusst und reflektierten die Gestaltung von Denkmälern.
Besonders bewegend war der abschließende Besuch aller Klassen am Mahnmal Gleis 17 in Berlin-Grunewald, von wo aus 10.000 Berliner Jüdinnen und Juden in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Auf dem ehemaligen Bahnsteig wird in chronologischer Reihenfolge jede Deportation aufgelistet, die seit 1941 Berlin in Richtung Osten verließ: Dabei beschäftigte es einen Teilnehmenden besonders, „an einem vermeintlich normalen Bahnsteig zu stehen, aber wenn man auf den Boden sieht, realisiert man die große Menge und die unendliche Dauer des Ganzen sehr eindrücklich.“ Eine andere Stimme erachtete den Besuch des Mahnmals Gleis 17 als „sehr wichtig, da man das Geschehen besser realisieren kann, wenn es einem vor Augen geführt wird, und es auch zeigt, dass die Geschichte sich in Zukunft nicht wiederholen soll und dass man, wenn so etwas passiert, die Augen öffnet und nicht einfach wegsieht.“
Neben der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus lag ein weiterer Fokus auf der deutsch-deutschen Geschichte: An Stationen wie der East Side Gallery, der Gedenkstätte Bernauer Straße und dem Tränenpalast erfassten Schüler:innen die Auswirkungen des Mauerbaus. Ziele und Methoden der Stasi sowie unmenschliche Haftbedingungen erschlossen sich den Schüler:innen im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, durch das alle Klassen - teils durch ehemalige Inhaftierte - geführt wurden. Die Schüler:innen, die sich das erste Mal intensiv mit diesem Thema auseinandersetzten, überraschte die Isolation, Dunkelheit und psychische Gewalt, der die Häftlinge ausgesetzt waren, außerdem die Tatsache, dass die dafür Verantwortlichen kaum zur Rechenschaft gezogen wurden. Angesichts seiner Lebenswelt hob ein Schüler hervor, „wie glücklich man sich im Vergleich zu den Menschen früher fühlen kann.“
Der Besuch im Plenarsaal des Bundestages, der Herzkammer unserer Demokratie, unterstrich dies und verdeutlichte den Schüler:innen, wie wichtig die Verteidigung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung auch und gerade heute ist.
Für die großzügige finanzielle Unterstützung aller Schüler:innen gilt ein herzlicher Dank der Axel Springer Stiftung, die dieses umfangreiche Programm ermöglichte.

Text: Fr. Hertel und Fr. Dr. Lettermann, Fotos: Fr. Hertel, Fr. Dr. Lettermann, Hr. Hering