Konzentrierte Stille herrschte in der Aula unserer Schule, als die Holocaust-Überlebende Eva Weyl, die live aus Amsterdam zugeschaltet war, ihre Lebensgeschichte erzählte. Die Schüler:innen erfuhren von den behüteten ersten Lebensjahren im niederländischen Arnhem, in das Eva Weyls Eltern als jüdische Deutsche bald nach der „Machtergreifung“ Hitlers geflohen waren.
Anfang 1942 wurde die Familie in das Lager Westerbork deportiert. Eva Weyl schilderte die Besonderheiten dieses Lagers, das sogar über ein Krankenhaus und eine Schule verfügte und so Schein von Ordnung erweckte, während zugleich wöchentlich etwa 1000 Menschen mit Zügen in die Arbeits- und Vernichtungslager im Osten deportiert wurden. „Wir hörten die Gerüchte, dass man im Osten ermordet wird, aber wir glaubten, das kann nicht sein“, erzählte Eva Weyl. Von den über 100000 aus dem Lager Westerbork deportierten Menschen überlebten nur etwa 5000.
Eva Weyl berichtete, wie sie und ihre Eltern mehrfach durch Glück der Deportation und damit der Vernichtung entkamen und sich nach 1945 ein neues Leben aufbauen konnten, das Eva Weyl in die USA, die Schweiz und dann wieder zurück in die Niederlande führte.
In der auf den Vortrag folgenden Fragerunde erfuhren die Schüler:innen, dass in Eva Weyls Familie wie in vielen anderen nach dem Krieg nicht über das Vergangene gesprochen wurde und dass auch sie selbst sich erst später damit auseinandersetzte und recherchierte. Mit einem Teil ihrer Familie kehrte sie vor etwa 17 Jahren in das ehemalige Lager Westerbork zurück und sagte den Schüler:innen: „Das ist für mich der schönste Moment, dort zu stehen und zu sagen: Ich habe überlebt!“
Immer wieder unterstrich Eva Weyl, dass die nach dem Krieg Geborenen nicht verantwortlich für das sind, was geschehen ist. Zugleich appellierte sie an die zuhörenden Schüler:innen: „Ab heute seid ihr meine Zweitzeugen. Ich bin Zeitzeugin, uns gibt es bald nicht mehr. Wir brauchen euch, um die Geschichte lebendig zu halten!“
Dieser Vormittag wird den Schüler:innen lange im Gedächtnis bleiben.
Wir bedanken uns bei Eva Weyl, die ihre Geschichte mit uns geteilt hat. Ein Dank gilt auch Dr. Eva Lettermann, durch deren Engagement diese Begegnung ermöglicht wurde.
Text: Fr. Hertel, Foto: Fr. Große-Bley