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Grenzenlos denken, Stereotype und Rollenbilder hinterfragen, Gendergerechtigkeit fördern – ein deutsch‑französisches Erasmus‑Projekt zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen 

Erasmus+ bietet Schüler:innen die Möglichkeit, gemeinsam mit internationalen Partner:innen an gesellschaftlich und politisch relevanten Themen zu arbeiten, sie dadurch besser zu verstehen und die Ergebnisse gemeinsam zu diskutieren. Diese Gelegenheit nutzten in diesem Schuljahr 13 Schüler:innen aus der Q1 des Pelizaeus-Gymnasiums, um sich mit gleichvielen Partner:innen aus dem Lycée Bellevue in Le Mans (Frankreich) über Stereotype, Gendergerechtigkeit und interkulturelles Miteinander auszutauschen.  

Unter der Leitung der französischen Lehrerinnen Frau Fontanillas und Frau Rossi sowie der deutschen Lehrerinnen Frau Große-Bley und Frau Jeremie untersuchten die Schüler:innen in zwei jeweils fünftägige Projektphasen – eine in Le Mans und eine in Paderborn – unter anderem folgende Fragen:  

  • Welche Stereotypen begegnen uns im Alltag? 

  • Wie beeinflussen Rollenbilder unser Denken und Handeln? 

  • Was bedeutet Gendergerechtigkeit in Schule, Beruf und Gesellschaft - und für jede und jeden Einzelnen? 

  • Welche Auswirklungen haben stereotypes Denken und Rollenbilder auf mein eigenes Leben? 

Das Programm war thematisch wie methodisch bewusst vielfältig und abwechslungsreich gestaltet. In Le Mans lag der Schwerpunkt auf der Arbeit mit individuellen Lebensläufen. In Kleingruppen interviewten die Schüler:innen Menschen, deren berufliche Werdegänge überraschende und untypische Brüche aufweisen, um Beweggründe, Schwierigkeiten und Formen der persönlichen Zufriedenheit herauszuarbeiten – so etwa eine Konzertmusikerin, die sich zur Klempnerin umschulen ließ. Die Interviews wurden von den Schüler:innen selbstständig vorbereitet und durchgeführt; die Ergebnisse – Erfahrungen und Reflexionen der Interviewten – bereiteten sie anschließend in Form persönlicher Steckbriefe für eine Ausstellung in Le Mans und Paderborn auf. 

In Paderborn lag der Fokus nach einer einführenden Stadtführung zu bedeutenden Paderborner Frauen verstärkt auf der persönlichen Auseinandersetzung mit den Projektthemen. In einem von Frau Kister geleiteten Kunstworkshop zum Thema „Empowerment“ entstanden eindrucksvolle künstlerische Selbstreflexionen der Teilnehmer:innen zur eigenen Rolle in der Gesellschaft, die später – gemeinsam mit den Ergebnissen aus Le Mans - in einer Abschlussausstellung präsentiert wurden.  

Darüber hinaus bot ein von Frau Rossi angeleiteter Workshop „Szenisches Spiel“ den Schüler:innen die Möglichkeit, spielerisch ihre angestammten Rollen zu verlassen und neue Ausdrucksformen auszuprobieren. In der Realität spiegelte sich die Möglichkeit, klassische Rollenbilder zu überschreiten, im Konzept der Mädchen- und Frauenförderung der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität Paderborn, das den Teilnehmer*innen durch Frau Sina Hinrichs vorgestellt wurde.  

Der Erfolg und die Ergebnisse dieses Erasmus+ Projektes waren bemerkenswert. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sich die deutsch-französische Gruppe von Beginn sehr gut verstand und hervorragend harmonierte. Hinzu kamen Neugier, Offenheit und das ernsthafte Interesse aller Schüler:innen an den Themen und Arbeitsformen. So entstand rasch eine Atmosphäre, in der gerne gemeinsam gearbeitet, diskutiert und gelacht wurde – und in der Vertrauen wachsen konnte. Gerade dieses Vertrauen erwies sich als besonders bedeutsam für die kreativen Workshops, in denen sich die Schüler:innen öffnen und ein Stück weit aus ihren jeweiligen „Komfortzonen“ heraustreten mussten. 

In den Wochen in Le Mans und Paderborn sind nicht nur zahlreiche beeindruckende Arbeitsergebnisse entstanden und nicht nur deutliche Fortschritte in den jeweiligen Sprachkompetenzen erzielt worden; vor allem sind auch viele neue Freundschaften gewachsen, sodass der Abschied entsprechend schwerfiel. Dies ist bei Austauschprojekten inzwischen keineswegs mehr selbstverständlich und unterstreicht eindrucksvoll den Wert echter, persönlicher Begegnungen.  

Text und Fotos: Fr. Große-Bley